Venezuela Calling

3 . Januar 2026. Ein altersschwacher US-Präsident tritt vor die Presse und murmelt schwach, dass er angeordnet hat, den Präsidenten Venezuelas in ein US-Gefängnis zu stecken. Das Motto: Ich, Cäsar, walte und herrsche.
Nur wenige Tage vorher muss sich der gleiche Präsident für altersbedingte Hautverfärbungen rechtfertigen. Er nutzt dies geschickt für eine Werbung für Aspirin bzw. den Bayer-Konzern. Es gibt nur eine handelstechnische Konsequenz aus dieser Gemengelage. Die hat mit ultralanglaufenden Staatsanleihen zu tun.

Wochenbericht 1/26 Stuttgart, 03. Jan. 2026

Gratiswerbung für Bayer

Die zurückliegende nachrichtenarme Zeit ist prädestiniert für Off-Topic-Themen, die plötzlich viral gehen. In den USA ist – wie in eigentlich allen autoritären Staaten – der Fokus stark auf das Führungspersonal und insbesondere auf den Präsidenten gerichtet. Wenn zwischen den Jahren in mehreren Zeitungen über den Gesundheitszustand des Präsidenten spekuliert wird, beschäftigt das sofort alle. Wohl um die Spekulationen einzufangen, veröffentlichte das PR-Team von Trump eine offizielle Stellungnahme. Darin gehen die Verfasser auf den Vorwurf ein, der Präsident würde unter Anämie leiden. Er hätte auf verschiedenen Photos die typischen blauen Flecken.

Die Antwort des Präsidenten: Er würde Blutverdünner nehmen. Tatsächlich hat er sich – nach eigener Darstellung – selbst eine höhere Dosierung mit Aspirin verordnet. Er glaubt an die Heilkraft dieser Medizin.

Besser hätte es für Bayer nicht laufen können. Aspirin ist DIE Cashcow des Konzerns. Obwohl der Wirkstoff extrem einfach hergestellt werden kann und unzählige Generika verfügbar sind, kann Bayer wegen der Marke den Wirkstoff Acetylsalicylsäure mit einem Preisaufschlag von 100 Prozent verkaufen.

Da in der Stellungnahme von Trump explizit die Marke genannt wird, dürfte sich die Vorstellung, Aspirin sei gut für die Gesundheit festsetzen. Die Absätze der Tabletten können davon nur profitieren.

Am ersten Handelstag des Neuen Jahres kletterte die Bayer-Aktie bei vergleichsweise ordentlichen Umsätzen auf fast 38 €.

Im Bayer-Handelssystem profitieren die beiden offenen Long-Call-Optionen von dem aktuellen Trend. Der Call 44 (Dez 27) weist inzwischen einen Buchertrag von 3 € pro Aktie auf, der Call 40 (Jun 26) einen Buchertrag von 2 € pro Aktie. Auf der Ebene des Handelssystems addiert sich über diese beiden Optionen ein Buchertrag von 2.500 € zu den realisierten Stillhaltererträgen (5.600 €)

Abbildung 1: Wert­ent­wicklung des Bayer-Handels­systems (5 Kontrakte, 10 k$ Kapitalbindung) und Preisentwicklung der Aktie (unten)

Die Stillhalterpositionen können der aktuellen Trendentwicklung der Bayer-Aktie kaum folgen. Der Stillhalteranteil des Handelssystems ist neutral aufgestellt. Die implizite Volatilität steigt aktuell mit steigenden Marktpreisen wieder an. Das war im November 2025 ein Vorläufer für einen dynamischen Preisimpuls. Die offene, nun klar im Geld notierende Call-Option wird bei weiter steigenden Notierungen durch den Kauf von Aktien zu einem risikoarmen Covered Call verwandelt. Damit kann bis März eine Prämie von 1,8 € pro Aktie eingenommen werden.

Finally: Robotaxis kommen nach Europa

In den großen Städten Kaliforniens ist es völlig normal, sich von einem fahrerlosen Taxi zum Ziel kutschieren zu lassen. Waymo, eine Alphabet-Tochter, meldet jeden Monat etwa eine Million autonomer Fahrten, bisher unfallfrei. Insgesamt kann das Unternehmen auf 20 Mio. erfolgreicher kommerzieller Fahrten zurückblicken. Ab Mai 2026 werden fahrerlose Waymo-Autos in London im Testbetrieb kommerzielle Taxifahrten durchführen. Es handelt sich um den ersten Einsatz der Hard- und Software außerhalb der USA.

Gleichzeitig geht Baidu mit seinem Apollo RX6 an den Start. Das Unternehmen ist hierfür eine Partnerschaft mit Uber und Lyft eingegangen. Seit Dezember 2024 sind die Robotaxis in den großen Städten Chinas im Regelbetrieb zugelassen. Das Unternehmen verweist auf 17 Millionen erfolgreicher Fahrten. Baidu arbeitet auch in China mit Partnern (Pony.ai) zusammen, die den Taxi-Betrieb organisieren.

Die chinesischen Fahrzeuge gelten als technisch überlegen. In den USA ist der Einsatz als Robotaxi nicht erlaubt. Der Praxis-Test in London ist die erste Gelegenheit für Baidu, seine Dominanz auf diesem Gebiet zu beweisen. Die Aktie preist dies bereits ein.

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Abbildung 2: Noch Zukunftsmusik – ein Robotaxi ohne Lenkrad. Sowohl die Waymo- als auch die Baidu-Fahrzeuge sind noch klassisch mit Lenkrad ausgestattet.

Interessant: An der Universität München testen Forscher, ob VW-Fahrzeuge mit Sensoren und Software im autonomen Betrieb möglich sind. Dort ist man im frühen Experimental-Modus und fährt mit Fahrzeugen voller Messgeräte durch die Stadt. Bosch hat die Entwicklung von autonomen Fahrassistenten eingestellt. Ob dieser Rückstand je aufgeholt werden kann?

Wird 2026 das Jahr für Long-Bonds?

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Abbildung 3: Leerverkaufsvolumen beim US-Long-Bond-ETF (20J)

Der obige Chart elektrisierte Hieronymus insbesondere angesichts der Preisentwicklung des ETF.

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Abbildung 4: Preisverlauf des US-Long-Bond-ETF (20J)

Obwohl sich der Marktpreis des ETF seit Herbst 2023 nicht mehr verändert hat, steigen die Short-Quoten kontinuierlich an. Die Spekulanten setzen fest darauf, dass sich der Marktpreis deutlich senkt, dass die Renditen für langlaufende US-Staatsanleihen explodieren werden. Obwohl sie jeden Monat Dividenden an die rechtmäßigen Eigentümer der ETFs zahlen müssen und zusätzlich hohe Leihgebühren anfallen, stocken sie ihre Positionen kontinuierlich auf.

Je weiter der Trade sich in dieser Richtung entwickelt, desto fragiler wird er. Es reicht bereits ein kleiner Renditerückgang aus (der ETF-Preis steigt in diesem Fall), um größere Rückkäufe zu triggern. Die aktuelle Entwicklung in Südamerika könnte bereits ein derartiger Trigger sein. Falls die Landnahme in Venezuela durch die USA zu einem neuen Kriegsschauplatz führt, ggf. wegen der Interessen Chinas und Russlands in dem Land sogar in einer ernsten geopolitische Krise mündet, sind Staatsanleihen als sicherer Hafen plötzlich gefragt. Strauchelt sogar die Trump-Administration an diesem Konflikt, dürfte ob der Wahrscheinlichkeit eines Machtwechsels in Washington sogar ein Run auf US-Staatsanleihen einsetzen.

Gleiches gilt für langlaufende Staatsanleihen aus Europa. Diese sind kurzfristig sogar die besseren Kandidaten für Preissteigerungen. Da mit dem Wechsel an der Spitze der FED im Frühjahr von einer ideologisch gelenkten US-Geldpolitik ausgegangen werden muss, ist das regelbasierte Europa plötzlich der »sicherste« (Geld-) Hafen der Welt. Wer aus regulatorischen Gründen Langläufer halten muss, kommt nach Europa.

Die Marktpreise für die 70- und 100-jährigen österreichischen Staatsanleihen sind massiv gefallen. Wegen des Preisverfalls emittieren die meisten Staaten keine oder nur begrenzt neue Langläufer. Die Anleihen sind nicht nur billig, sie sind auch knapp. Ein zurückgehendes Angebot an Langläufern trifft auf eine strukturell anziehende Nachfrage!

Eine in 2080 fällige österreichische Zero-Coupon-Staatsanleihe wird aktuell mit einem Kurs von 12 % gehandelt. Was kann da eigentlich noch schiefgehen? Eine Long-Position in dieser oder einer normalen, verzinsten ultralanglaufenden Staatsanleihe in der Eurozone könnte zum Trade des Jahres werden. Das Timing dürfte unkritisch sein. Wer mag, kann auf einen Renditeanstieg im Frühjahr hoffen, wenn die Unabhängigkeit der FED nach dem dortigen Staffettenwechsel in final Frage gestellt wird. Hiervon ist aber bereits sehr vieles eingepreist.