Kaufen, wenn Trump eskaliert
Je erratischer die Entwicklungen in den USA, desto attraktiver ist es, Kapital in Europa, Asien und China anzulegen. Diese Entwicklung begleitete die Kapitalmärkte bereits 2025. Vieles deutet darauf hin, dass dies auf absehbare Zeit so weitergeht. Der hiesige MDAX arbeitete in diesem Umfeld gerade ein mustergültiges strategisches Kaufsignal heraus. Noch dynamischer geht es – ausgerechnet – in der Handelsmetropole Singapore zu. Nach einem Jahr Trump haben sich die Welthandels- und Geldströme an die neuen Realitäten angepasst.
Die erste Woche eines neuen Jahres ist stets besonders. Der Jahreswechsel ist prädestiniert für einen Staffettenwechsel beim Verwaltungsmandat bzw. für Umschichtungen im Fonds- bzw. ETF-Depot. Der Dezember ist im Zuge von Positionsauflösungen häufig volatil, die erste Januarhälfte oft ein Trendmarkt. 2026 ist das, trotz massiver Zuspitzungen geopolitischer Krisen, nicht anders. Ob die Preisentwicklungen nachhaltig sind, entscheidet sich im Februar.
Deutschland: Das viele Geld wirkt
Am 20. November markierte der Index deutscher Nebenwerte (MDAX) rückblickend mit einem Abschlag von 12 Prozent von den Höchstständen im Sommer 2025 ein Halbjahres-Preistief. Unter hohem Volumen folgte eine lehrbuchmäßige Recovery-Rallye, die bis dato andauert.
Allen Unkenrufen zuwider stützt die Kapitalseite die Wirtschaftspolitik der Merz-Koalition. In der ersten Woche im neuen Jahr wurde das Jahreshoch 2025 mit hoher Dynamik überwunden. Charttechnisch steht einer Fortsetzung der Preisentwicklung im Frühjahr 2026 (bis zur Zäsur bei der Verkündung der Strafzölle durch die Trump-Administration im April 25) nichts entgegen.
Unhedged, ein Blog der FT zur allgemeinen Marktentwicklung insbesondere in den USA, startete 2026 mit einer unmissverständlichen Prognose:
Will US stocks trail stocks in the rest of the developed world, as they did in 2025?
No. Even setting aside the weakening dollar, Europe and Japan both whipped the US in 2025.
It won’t happen again.
Trotz massiver Stützung durch die Trump-Administration konnten die US-Aktienmärkte 2025 nicht überzeugen. Insbesondere die Preisschwäche der hochkapitalisierten (ehemaligen) Zugpferde im zweiten Halbjahr kostete der Masse der in den USA übergewichteten Investoren richtig Rendite. Zugegeben: Auch der MDAX lieferte seit Mai 2025 keinerlei Renditepunkte. Hier deckte sich aber die Preisentwicklung mit der Wahrnehmung der wirtschaftlichen Realität im Land.
Unhedged begründet seine Prognose fundamental. Europa profitierte 2025 von moderaten Bewertungen börsengelisteter Unternehmen. Inzwischen, so Unhedged,
ist die Bewertungsdifferenz keine Triebkraft mehr. US-Unternehmen seien 2026 auf Indexebene nicht mehr teurer, als ihre europäischen Pendants.
Nun – Unhedged ist auch berüchtigt für seine schlechte Prognosequalität.
Deshalb hier ein Chart, der ein wenig Licht in die Vergangenheitsbetrachtung bringt. Auch der Aktienmarkt in Singapore hat 2025 die Preisentwicklung in den USA in den Schatten gestellt.
Der dortige Aktienmarkt ist wie der europäische bzw. deutsche Aktienmarkt exportlastig. Die kleine Volkswirtschaft ist wie kaum eine andere vom Welthandel abhängig. Die Preisentwicklung des lokalen Aktienmarkts lässt nur eine Interpretation zu: Trotz des Protektionismus in den USA floriert der Welthandel. Die Welt organisiert sich um die USA herum neu aus. Interessant: Die Entwicklung ist kaum politisch getrieben. Auf der politischen Bühne liefern sich selbsternannte »StrongMan«, Populisten und ein letztes Aufgebot aufrechter Demokraten einen epischen Kampf. Unternehmen halten sich da raus und suchen erfolgreich neue Märkte und etablieren lukrative Handelsströme. Die Exportnationen in Europa und Singapore als Handelsnation profitieren gleichermaßen.
Das technische Kaufsignal für den MDAX ist vor diesem Hintergrund noch mal interessanter. Schließlich gilt Deutschland erneut als
»kranker Mann Europas«. Aus populistischen Kreisen werden die Maßnahmen der Regierung frontal infrage gestellt. Die Kapitalmärkte folgten den rechtspopulistischen Narrativen
bis in den Herbst. Dann griffen (vermutlich ausländische) Investoren zu (siehe Volumen-Chart in Abb. 1). Nun zwingt die Preisdynamik Nachzügler in den Markt.
Für
Buy&Hold Singapore
Dieser Blog verfolgt seit längerem die Entwicklungen zweier in Singapore gelisteter Aktiengesellschaften: Jardine Matheson (zuletzt: 46/25)und Haw Par (zuletzt: 35/25). Beide sind waschechte Value-Unternehmen, Haw Par mit dem Schwerpunkt Immobilien und Jardine Matheson mit dem (neuen) Schwerpunkt Private Equity. Die Preisentwicklungen der Aktien bestätigen die oben formulierten Thesen.
Insbesondere der Volumenchart der Haw Par ist aufschlussreich. Zum Jahreswechsel (7. Januar) bildete der Wert unter außergewöhnlich hohem Volumen ein neues Allzeithoch aus. In den Folgetagen hievten Anschlusskäufe den Aktienpreis weiter. Dies bestätigt das Kaufsignal.
Die Preisdynamik bei der Jardine Matheson ist zuletzt deutlich angestiegen. Der Wert weist trotz seiner Größe keinen Optionshandel auf. Deshalb kann nur geraten werden, ob spekulative Kräfte oder langfristiges Anlagekapital hinter den Preisaufschlägen steckt. Möglicherweise entdecken asiatische Fondsgesellschaften das Wertpotenzial der Private-Equity-Neuausrichtung des Konzerns.
Volatilitätsanstieg Bayer
In der letzten Ausgabe wurde der aktuelle Volatilitätsanstieg bei Bayer bereits angerissen. Die Entwicklung hat sich in der abgelaufenen Woche fortgesetzt. Inzwischen ist die Volatilität auf über 50 Prozent gestiegen.
Wie beim MDAX auch, ist der 20. November der Start einer Trendentwicklung. Bei der Bayer kündigte sich dies (rückblickend) ab Ende September mit moderater, aber stetig steigender Volatilität an. Der Ausbruch aus der Tradingrange wurde am Optionsmarkt vorweggenommen.
Institutionelle Investoren suchen Optionen, wenn ein asymmetrisches Chance-Risiko-Profil erwünscht ist. Im Herbst waren Calls gesucht, deren Preise für den Volatilitäsanstieg verantwortlich waren. Ebenfalls im Rückspiegel ist der Grund für die Suche nach Asymmetrie sichtbar: Am 2. Dezember verkündete die Trump-Administration, dass für die Glyphosat-Klagen Bundesrecht gelte und eine Zulassung des Herbizits durch das Agrarministerium vorläge. Der Aktienpreis machte einen Sprung – die Risikoaufschläge der Optionen verschwanden schlagartig.
Seit dem 15. Dezember steigen die Volatilitäten allerdings erneut. Diesmal steigen Aktienpreis und die implizite Volatilität. Wiederum sind die Preise für Call-Optionen für die Volatilitätsentwicklung verantwortlich. Die Gretchenfrage ist: Was ist diesmal die »Hidden Agenda«?
In der Berichtswoche trugen zwei Nachrichten die Aktienpreisentwicklung bei:
- Bayer verklagt die halbe US-Pharmaindustrie auf Verletzung von Monsanto-Patenten
- Die Cell & Gene-Sparte (AskBio) hat die Zulassung für klinische Studien für die Gentherapie der Late-Onset Pompe-Krankheit erhalten.
AskBio entwickelt sich zu einer tragenden Säule für Bayer. Das Ziel ist, die Ursachen von Krankheiten mittels Gentechnik zu korrigieren. Krankheiten, die sich wegen defekter Chromosomen entwickeln, werden nicht mehr z. B. durch Hormongaben behandelt. Stattdessen wird der Körper instruiert, die Hormone selbst herzustellen. AskBio hat nun drei »Pferde« im Rennen: Herzinsuffizienz-Gentherapie (AB-1002), Parkinson-Gentherapie (AB-1005) und Late-Onset Pompe-Gentherapie (AB-1009).
Die Aktie kletterte nach der Ad-hoc-Meldung über die Schnellzulassung der FDA kurzzeitig auf 40 €.
Nimmt die Turnaround-Story nun Gestalt an? Ungeklärt ist auch, welche Bedeutung der Optionshandel bei der Bayer-Aktie überhaupt hat. Im Vergleich zum US-Optionshandel sind alle europäischen Werte illiquide. Es ist zweifelhaft, ob z. B. das Hedging von Market-Makern den Aktienpreis beeinflusst, wie es in den USA regelmäßig vorkommt. Hinzu kommt, dass Kleinanleger in Europa eher Optionsscheine und Zertifikate handeln, der Optionsmarkt hier die Interessen institutioneller Adressen reflektiert. Vor diesem Hintergrund könnte das aktuelle Interesse an Call-Optionen auf Insiderwissen hindeuten, dass sich mangels üppiger Liquidität des Derivate-Segments überdeutlich in Optionskenndaten zeigt.
Auf der Ebene der Bayer Turnaround Optionshandelsstrategie wurde zur Kompensation der starken Preisausschläge bei Call-Optionen eine weitere Long-Call-Option eröffnet. Insgesamt sind trendfolgend nun drei Long-Call-Optionen offen. Diese Positionen sind aktuell nicht im Schaufenster aufgeführt. Die Performance der Stillhalterpositionen ist wegen des starken Volatilitätsanstiegs aktuell negativ.