Handelsknecht

Kann man die Handelsstrategien irgendwie handeln? Jetzt ja: Der Handelsknecht ist einsatzbereit. Das ist kaum vergleichbar, mit dem Hype, den die Veröffentlichung von OpenClaw ausgelöst hat, aber ebenso revolutionär. Open Source verändert erneut die Welt – ob zum Besseren, wird sich zeigen.
Die Auswirkungen auf die Finanzmärkte sind jedenfalls bereits profund.

Wochenbericht 6/26 Stuttgart, 07. Feb. 2026

Handelsknecht

Das Projekt »Handelsknecht« steht seit einer gefühlten Ewigkeit mit Priorität 2 auf der To-do-Liste. Ein Werkzeug, das es Interessenten erlaubt, die Trades der Hieronymus Handelssysteme in Echtzeit zu kopieren, ohne mit der deutschen Finanzaufsicht in Konflikt zu geraten.

Das Programm ist nun fertig – und gleichzeitig ein Stück weit obsolet. Dazu später mehr.

Signalgeber haben drei Möglichkeiten: Entweder sie beantragen eine Banklizenz und handeln im Auftrag ihrer Kunden die Signale selbst (und tragen alle Risiken), sie bieten einen Börsenbrief an und veröffentlichen ihre Trades zeitnah über Messenger-Dienste oder E-Mail oder sie veröffentlichen ihre Signale als unverbindliche Werbung.

Der Handelsknecht eröffnet einen vierten Weg: Ein Open-Source-Programm, das beliebig modifiziert und ohne Beschränkungen benutzt werden kann. Der Quellcode ist in Europa bei Codeberg gehostet. Es gibt eine API, mit der ein potenzieller Signalgeber einen eigenen Server als Signalquelle erstellen kann.

Das Rust-Programm läuft in allen Betriebssystemen. Eine Datei config.yml enthält die wichtigsten Steuerparameter. Man kann einstellen, zu welchem Handelskonto eine Verbindung aufgebaut werden soll, welcher Rabbit-MQ-Server angesprochen wird, welche Strategien gehandelt werden sollen und welche Infos an den Server zurückgemeldet werden.

Grundsätzlich agiert der Handelsknecht autonom. Der Signalgeber meldet ein Asset für den Handel an. Je nach Einstellung wird ein Default-Wert für die Positionsgröße eingetragen oder der Knecht wartet auf eine Zuweisung durch den Kontoinhaber. Im nächsten Schritt empfängt der Handelsknecht eine Orderanweisung, setzt die Positionsgröße ein und platziert die Order.

Das ist der kritische Schritt. Die BaFin ist sehr streng. Der Kontoinhaber muss explizit seine Zustimmung gegeben haben. Dies ist durch das Setzen der Positionsgröße gegeben, auf das der Signalgeber keinen Einfluss hat.

Üblicherweise läuft der Handelsknecht 24/7 in einem Computer/Container im privaten Netz oder in der Cloud. Die Handelsplattform des Brokers ist ebenfalls gestartet. Zur Kontrolle und zum Setzen der Positionsgrößen ist ein »Terminal-User Interface« implementiert, das offene Orders, Kontostände, das Portfolio und die Strategie-Assets anzeigt.

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Abbildung 1: Portfolioansicht über das Terminal User Interface.

Das TUI zeigt eine exemplarische Portfolioübersicht und unten den Befehl, die Ford-Allokation (Nr. 10) mittels einer Limit-Order zu 14 $ zu halbieren.

Der Handelsknecht sollte zuerst mit einem Paper-Trading-Konto getestet werden. Hierfür stellt Hieronymus ab sofort Echtzeit-Handelssignale bereit.

Die Zugangsdaten dafür senden wir gern per E-Mail.

OpenClaw Revolution

Peter Steinberger zeigt, wie man aus einer Off-Location in Wien Geschichte schreibt. Am 25. November legte er ein unscheinbares Projekt auf GitHub an: »warelay«. Daraus wurde im weiteren Verlauf »Clawdbot«. Das fand Anthropic gar nicht lustig, die Ähnlichkeit zu Claude war zu offensichtlich. Aus Clawbot wurde »Moltbot«. “to molt” steht für das Häuten eines Hummers. Schließlich einigten sich frühe Benutzer auf »OpenClaw :: THE AI THAT ACTUALLY DOES THINGS«.

OpenClaw ist Open Source.

Innerhalb weniger Wochen entstand das mit Abstand am häufigsten heruntergeladene GitHub-Projekt überhaupt. Einige werten dies als ersten, wuchtigen Aufschlag Europas in der AI-Welt. Die Konsequenzen dieser Entwicklung sind nicht abschätzbar.

OpenClaw ist ein offenes Agentensystem. Es nutzt keine eigenen AI-Modelle, sondern kombiniert bestehende Modelle, Werkzeuge und Schnittstellen zu einem handlungsfähigen System. Entscheidend ist: OpenClaw verbindet AI nicht nur mit Text, sondern mit Dateien, Programmen, Webseiten und Handlungen in der realen Welt. OpenClaw beantwortet nicht nur Anfragen – es plant, führt aus und entwickelt Aufgaben eigenständig weiter. Genau das macht es so mächtig.

Handelsblatt KI Briefing

Man installiert OpenClaw auf einem ausgedienten Computer oder (besser) einer kleinen Cloud-Instanz, startet den Dienst, gewährt ihm Zugang zu einem LLM, gibt ihm eine eigene E-Mail-Adresse und installiert Signal auf dem Rechner. Danach steuert man den Bot mit Signal-Nachrichten. Es gibt Leute, die geben dem Bot eine Kreditkarte zur freien Verfügung oder eine Krypto-Wallet.

Die Bots sind autonom und erfindungsreich. Sie haben z. B. im Darknet einen Marktplatz für »Skills« eröffnet. Dort kann ein Bot Fähigkeiten einkaufen, die er gerade benötigt, aber nicht eigenständig entwickeln kann (oder darf). Erste Bots beauftragen Menschen, Dinge für sie in der realen Welt zu erledigen. So entsteht in Rekordzeit ein neuer Niedriglohnsektor. Auswirkungen auf z. B. Lieferdienste, Hausmeisterservices, Pflegeberufe, usw.: unbekannt.

Höchstwahrscheinlich haben auch die jüngsten Entwicklungen an den Kryptomärkten mit koordinierten Aktionen von OpenClaw-Bots zu tun.

Die Entwicklung sowohl von OpenClaw als auch des OpenClaw-Bot-Ökosystems sind atemberaubend, ja geradezu revolutionär. Der Leitspruch: »The AI that actually does things« ist eine Untertreibung.

Ein vernünftig aufgesetztes OpenClaw (Nur sehr beschränkte Rechte, keine eigene Evolution und keine Kommunikation mit anderen OpenClaw-Bots) vermag für ein Unternehmen mit einem AI-Budget von max. 250 € im Monat den Großteil der kaufmännischen und organisatorischen Aufgaben zu erledigen. Wahrscheinlich kann er auch die gesamte IT-Abteilung ersetzen. Möglich, dass das Jahr 2026 als Ende des Backoffice in die Geschichte eingeht.

Besonders erschreckend ist, dass ein Wochenendprojekt eines mittelmäßig begabten Softwareentwicklers bereits eine solche Wirkung entfaltet. Was passiert gerade in den Software-Laboratorien der Hyperscaler in den USA und den AI-Schmieden im Robot-Belt Chinas? Welche Manpower sitzt aktuell an Projekten, die OpenClaw selbst noch mal revolutionieren?
Anthropic reagierte als Erstes. In der letzten Woche veröffentlichte man eine Erweiterung seiner »CoWork«-Suite, mit der Unternehmen ganze Geschäftsprozesse rechtssicher an einen AI-Agenten outsourcen können.

Unmittelbar danach sanken die Notierungen fast aller IT-Unternehmen und Unternehmensberatungen deutlich.

Der Handlungsdruck ist nun in der Breite enorm. Wenn die Konkurrenz ihre Personalkosten durch Outsourcing an eine Armada von ClawBots sofort zu reduzieren vermag, ist man unmittelbar nicht mehr konkurrenzfähig. Augenscheinlich ist die Hürde, die zu nehmen ist, um die Geschäftsprozesse an ClawBots auszugliedern, niedrig. Zu niedrig, um eine Entlassungswelle zu verhindern? Dann ist nicht auszuschließen, dass sich die negativen Begleiterscheinungen der Automatisierungen in der ersten industriellen Revolution wiederholen.

Hieronymus bietet für den Handelsknecht vorkonfigurierte Handelsrechner für die Ausführung empfangener Signale an. Zum gleichen Preis kann man sich eine VPS-Instanz mieten, darauf OpenClaw installieren und den Bot mit der Aufgabe instruieren. Dieser richtet alles ein, optimiert den Handelsknecht sogar für die individuellen Anforderungen und überwacht ihn im Betrieb.

Dies ist ein sehr konkretes Beispiel für das Disruptionspotenzial von OpenClaw. Da die LLMs heute überwiegend mit Gas betrieben werden, erhöht sich der CO2-Fußabdruck für den Optionshandel deutlich. Der automatisierte Handelsrechner benötigt kaum Energie, die zudem aus regenerativen Quellen stammt. OpenClaw-Bots sind CO2-Schleudern!

Sektorrotation – oder mehr?

Im Jahr 2025 begeisterten die US-Hyperscaler Investoren weltweit. Während die Welt sich über die Folgen der US-Zollpolitik den Kopf zerbrach, zogen die »Magnificent Seven« magnetisch Anlagekapital an. Sie boten Dienstleistungen an, die von der US-Administration ausdrücklich von Zöllen ausgeschlossen wurden. Jeder Versuch eines Staats, die US-Technologiekonzerne im Ausland auch nur minimal zu besteuern, wurde von der Trump-Administration mit massivem Druck bereits im Keim erstickt.

Für 2026 planen die US-Technologiekonzerne Investments über 660 Mrd. US-Dollar. Nachdem Alphabet ankündigte, 180 Mrd. $ in Datencenter investieren zu wollen, sank der Aktienpreis um 10 Prozent.

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Abbildung 2: Preisentwicklung einiger Technologieunternehmen (Google fehlt und bildet die Differenz) im Vergleich zur Preisentwicklung aller Magnificent 7.

Ein ETF mit den Magnificent 7 im Fondsdepot kostet nur dank der guten Performance von Google aktuell kaum weniger, als im September 2025!

Der marktbreite Index (S&P 500) ist im gleichen Zeitraum um etwa sechs Prozent teurer geworden, getrieben wesentlich durch die Sektoren Energie und Materials. Wir erleben eine klassische Sektorrotation, mit dem positiven Nebeneffekt, dass die Übergewichtung der Magnificent Seven im Index abgebaut wird. Eine insgesamt positive Entwicklung.
Konterkariert wird dieser Trend durch die jüngsten Preisbewegungen jenseits der Magnificent Seven: IT-Unternehmen, Berater, Chip-Hersteller, Private Equity und (natürlich) der Automobilsektor. Unhedged, ein täglicher Finanzblog der FT schreibt dazu:

One ominous idea making the rounds (yesterday) is that the current shift in leadership resembles the one that occurred in 2000, a few months ahead of the dotcom market crash. That ugly episode can be captured by looking at the relative performance of growth and value indices. Growth had been crushing value in the second half of 1999, but started to falter in February 2000, a month before the wider market peaked in March, and long before the broad market started falling hard in September.

In der Zusammenfassung: Der Marktcrash ab März 2000 kündigte sich mit vergleichbaren Sektorrotationen an.

Angesichts sehr hoher Bewertungen in den gehypten Branchen schichten vorsichtige Asset-Manager in preiswerte Value-Werte um. Wenn auch diese keine Preissenkungen mehr bieten, sinken die Marktpreise mangels Alternativen auf breiter Front.

  • Im Jahr 2025 floss das Kapital selektiv in die Magnificent Seven.
  • Aktuell sind Energiewerte gesucht.
  • OpenClaw-Bots könnten eine weitere Sektorrotation begründen: Arbeitsintensive Branchen mit hohem Outsourcing-Potenzial.

Das Disruptionspotenzial von OpenClaw-Bots bzw. deren kommerziellen Gegenstücken ist gegenwärtig nicht abschätzbar. Das bietet Spekulanten ein weites Betätigungsfeld. Große Preisschübe bei Einzeltiteln dürften den weiteren Jahresverlauf prägen.

Notizen Handelssysteme

  • Bitcoin-Handelssystem
    Die heftigen Preisverwerfungen bei Bitcoin und Ethereum ließen die Optionen ins Geld laufen. Sie wurden regelkonform glattgestellt. Die Call-Optionen wurden bereits vorher mit den Zielerträgen geschlossen. Eine erste konservative Put-Option mit kurzer Laufzeit wurde am Freitag eröffnet. Bei längeren Laufzeiten sind die Spreads aktuell sehr hoch. Die Volatilität ist mit teilweise 90 Prozent ebenfalls zu groß für einen vollständigen Wiedereinstieg in die Optionsstrategie.

  • Ether-Handelssystem
    Beim Ethereum-ETF ist der Optionshandel im Zuge der Korrektur immer weiter ausgedünnt. Die Positionen sind geschlossen. Das System wird weitergeführt, wenn der Optionshandel auch bei den im System verwendeten sehr defensiven Strikes wieder ausreichend liquide ist.

  • GE-Vernova
    In den letzten Wochen war testweise ein weiterer Strangle mit der GE Vernova aufgebaut worden. Der Wert ist grundsätzlich interessant; die Optionen sind wegen der hohen Volatilität teuer. Im aktuellen Marktumfeld schwankt der Wert trotz seines hohen Aktienpreises (770 $) stark. Eine Einbuchung belastet die Liquidität des Kontos pro Kontrakt mit 77 k$. Das ist für die Optionshandelskonten eine Herausforderung. Die Positionen wurden ohne Verluste aufgelöst und stattdessen eine angemessene Long-Position eröffnet.

  • Siemens Energy
    Im Rahmen der Stillhalterstrategie wurden seit einiger Zeit fast kontinuierlich defensive Siemens Energy Stillhalterpositionen gehandelt. Diese werden in den kommenden Tagen in ein separates Schaufenster ausgelagert und hier als öffentliches Handelssystem eingefügt.

Abbildung 3: Wert­ent­wicklung der Siemens Energy Stillhalter-Optionen (8 Kontrakte) und Preisentwicklung der Aktie (unten)