Aus dem Keller ans Licht

Zugegeben – die Nachrichten mit Beschlüssen der Bundesregierung zu Wirtschaftsthemen sind keine leichte Kost. So viel Chaos ist selten. Um einen Zielpfad zu finden, braucht es vermutlich ein hochentwickeltes AI-System. Hier gilt aber auch, was für die Preisfindung für Krypto-Token gilt: Wenn es keinen inneren Wert gibt, sind alle Zustände möglich. Überraschend viele »Analysten« sind trotz der unterirdischen Performance der hiesigen Regierung für 2026 ausgesprochen optimistisch.
Bestes Beispiel ist Bayer, das sich für ein entscheidendes Jahr 2026 rüstet.

Wochenbericht 48/25 Stuttgart, 29. Nov. 2025

Wir Kellerkinder

Fragt man Gemini nach der Bedeutung der Überschrift im wirtschaftspolitischen Kontext, antwortet die AI treffend

Wir sind eine Wirtschaftsmacht, die zu lange von der Substanz gelebt und die Modernisierung verdrängt hat. Nun sitzen wir auf unseren alten Technologien wie auf eingemachtem Obst im Keller, während draußen die Welt (KI, Green Tech) an uns vorbeizieht, und wir fühlen uns unverstanden und unsichtbar.

Das zeigt nicht nur, welche Qualität die AI-Systeme inzwischen haben. Es ist eine recht gute Zustandsbeschreibung der Republik.

Hier ein Auszug der weiteren Ausführungen von Gemini:

Die “Hidden Champions” im Dunkeln

Deutschland ist stolz auf seine “Hidden Champions” – Weltmarktführer aus der Provinz. Im Kontext der “Kellerkinder”-Metapher kippt dieses positive Bild ins Negative. Die Politik hat nur ein Ohr für omnipräsente DAX-Titel.

Der Rückzug in die Wagenburg (Isolation)

“Kellerkinder” sind isoliert und schauen argwöhnisch nach draußen. Dies spiegelt die psychologische Verfassung der deutschen Wirtschaft wider:

  • Defensive Haltung: Statt wie früher offensiv Weltmärkte zu erobern (“Exportweltmeister”), igelt sich die Industrie ein. Man fühlt sich von Bürokratie, hohen Steuern und protektionistischen USA/China “eingesperrt”.
  • Angst vor dem Licht: Es herrscht Sorge, dass Innovationen und neue Technologien (KI, E-Mobilität) aus USA und China kommen und die deutsche Ingenieurskunst alt und “muffig” aussehen lassen – wie Relikte aus einer vergangenen Zeit, die man im Keller lagert.

Gerade hat VW angekündigt, seine E-Autos in China zu entwickeln und zu bauen – zum halben Preis der Fertigung in Europa. VW beschäftigt im neuen F&E-Zentrum in Hefei (Anhui Province) 700 Ingenieure. Dort hat man in Rekordzeit marktfähige E-Fahrzeuge entwickelt, die nun ausschließlich in China vertrieben werden. In Deutschland baut und vertreibt man fleißig weiter Verbrennerfahrzeuge des 20. Jahrhunderts. Immerhin – einige VW-Ingenieure sind von ihrem hohen Ross gestiegen und versuchen nun zu verstehen, was dort passiert.

Die Bundesregierung scheint die Automobilindustrie abzuschreiben. Wie anders ist das vergiftete »Geschenk« für ein »Weiter so« in der Verbrennertechnologie zu verstehen. Ein Vergleich mit dem Kohle- und Eisenerzbergbau drängt sich auf. Nur einer Industrie, die man bereits abgeschrieben hat, macht man ein solches Angebot.

Der Kabinettsbeschluss, die EU zu zwingen, das Aus für Verbrennerfahrzeuge ab 2035 auszusetzen, war der eigentliche Grund, Gemini nach den Kellerkindern zu befragen. Diese Rückzugspolitik ist wahrlich furchterregend.

Faschismus auf dem Vormarsch

Die wirkmächtige Demonstration der deutschen Zivilgesellschaft in Gießen mag zeigen, dass die Mehrheit in den westlichen Bundesländern immun ist gegen faschistische Umtriebe. Im Osten sieht das allerdings anders aus. Der Krautreporter hat kürzlich exzellent zusammengefasst, wie Faschismus funktioniert:

In seinem Buch „Die Anatomie des Faschismus“ definiert Paxton Faschismus als „Form des politischen Verhaltens“, das durch eine „obsessive Beschäftigung mit Niedergang, Demütigung oder Opferrolle einer Gemeinschaft“ bestimmt sei. Das heißt, es ist nicht so wichtig, was faschistische Bewegungen denken, sondern wie sie sich verhalten. Sie sind besessen vom vermeintlichen Untergang der eigenen Gemeinschaft, sehen sich als Opfer und wollen sich dagegen wehren. Sie bestehen aus Massenbewegungen, die sich mit traditionellen Eliten zusammenschließen, um demokratische Freiheiten aufzugeben. Und sie versuchen, den angeblich bevorstehenden Untergang durch Gewalt gegen innere und äußere Feinde abzuwenden.

Paxton hat die faschistischen Bewegungen des 20. Jahrhunderts jahrzehntelang untersucht. Er kommt zu dem Schluss, dass sie sich stets in fünf Stufen entfalten. In der Anfangsphase entsteht Faschismus als Protestbewegung, die das Gefühl von Krisen und Erniedrigung für sich nutzt. Charismatische Führungspersonen setzen sich an die Spitze der Bewegungen, die sich als letztes Mittel gegen den drohenden Untergang präsentieren.

Im zweiten Schritt versucht die Bewegung, im politischen System Fuß zu fassen. Sie baut eine Massenbasis aus und sucht die Zusammenarbeit mit traditionellen politischen Kräften. Gleichzeitig nutzt sie Propaganda, um ihre Weltsicht zu verbreiten und schüchtert Gegner:innen ein.

Im dritten Schritt gelangen Faschist:innen an die Macht, in der Regel durch Koalitionen oder Zusammenarbeit mit konservativen Eliten. Dann, im vierten Schritt, beginnen sie, den Staat umzubauen. Sie unterdrücken politische Gegner:innen, bauen Institutionen um, forcieren ultranationalistische Politik und stellen Medien, Verwaltung, Justiz, Kultur unter ihre Kontrolle. Kurz: Sie verwandeln den Staat Schritt für Schritt in ein autoritäres System.

In der letzten Stufe gibt es dann zwei Optionen: Entweder die faschistische Herrschaft radikalisiert sich oder sie zerfällt. Wenn sie sich radikalisiert, kommt es zu innenpolitischen Gewaltwellen, rassistischen Verfolgungen und einer expansiven Außenpolitik bis hin zu Angriffskriegen. Eine Sache ist für Paxton aber klar: Faschismus tendiert von Natur aus zur Eskalation, um seine Anhängerschaft immer in Bewegung zu halten. Um permanente Krisen zu schaffen, die er für sich nutzen kann. Sonst wendet sich die Anhängerschaft enttäuscht ab.

Hier mag jede/r selbst die bundesdeutsche Realität einordnen.

Bayer Handelssystem

Glücklicherweise gibt es nicht nur die Rückstands- und Rückzugsrepublik. Die Bayer AG ist einen Schritt weiter, als der Rest der Republik.

Das ist der Preisverlauf der Bayer-Aktie über den vergangenen Sommer.

Abbildung 1: Preisentwicklung der Aktie

Nichts Besonderes. Die Aktie pendelt orientierungslos zwischen 26 und 29 € hin und her.
Laut Lehrbuch das ideale Umfeld für eine Stillhalterstrategie: Man verkauft eine Option, die aus dem Geld notiert, und hält diese. Mit jedem Handelstag verliert sie an Zeitwert und wird schließlich wertlos ausgebucht, der Buchwert des Kontos sollte steigen.

In der Realität passierte aber – nichts. Am 9. November kostete der Put genauso viel, wie am 1. August, der Marktpreis der Aktie hatte sich ebenfalls nicht verändert.

Abbildung 2: Wert­ent­wicklung eines Bayer-Put(24)

Der Abfluss von Zeitwert wurde durch eine verstärkte Nachfrage nach der Option ausgeglichen. Die Bayer-Aktie verzeichnete über den gesamten Verlauf des Herbstes 2025 eine kontinuierliche Nachfrage nach Optionen. Die Marktteilnehmer waren bereit, immer höhere Aufpreise für diese (und viele andere) Optionen zu zahlen. Das lässt sich sehr schön am Verlauf der ausgewiesenen impliziten Volatilität ablesen. Um den Herbstanfang herum begann die Volatilität anzusteigen. Der Aktienpreisverlauf ist weiterhin unauffällig.

Abbildung 3: Volatilitätsentwicklung des Bayer-Put(24), Fälligkeit Dez. 2025

Wie so häufig, lösen sich Kennzahlenphänomene erst rückblickend. Normal ist ein Anstieg der impliziten Volatilität unmittelbar vor wichtigen Unternehmensterminen, wie Produktvorstellungen oder auch Quartalszahlen. Danach normalisiert sich das dann stets.

Nicht so bei Bayer. Mit der Bekanntgabe der Quartalszahlen durchschritt der Aktienpreis die gesamte Handelsspanne des Sommers, korrigierte den Preisimpuls kurzfristig aus und hält sich seitdem knapp oberhalb der (ehemaligen) Tradingrange.

Die Volatilität ist weiterhin ungewöhnlich hoch. Das Interesse an spekulativen Call-Optionen und/oder Put-Optionen zur Absicherung ist ungebrochen.

Ein Blick auf einen längerfristigen Preisverlauf der Aktie zeigt die Brisanz der Gegenwart.

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Abbildung 4: Preisentwicklung der Bayer-Aktie

Die Aktie hat möglicherweise bereits ein strategisches charttechnisches Kaufsignal generiert!

Das ausgesprochen hohe Handelsvolumen beim »Ausbruch« aus der Tradingrange spricht eine deutliche Sprache.

Das Bayer Turnaround Handelssystem ist gegenwärtig im Kern minimal entgegen dem Trend aufgestellt. Die Stillhalterpositionen betreiben »Volatility-Harvesting«, setzen auf eine metastabile Periode nach der Auflösung der Tradingrange. Fundamental wird der Aktienpreis durch die weiterhin nicht ausgeräumten Glyphosat-Risiken belastet. Erst wenn die Verfahren abgeschlossen sind, ist eine höhere Bewertung gerechtfertigt.

Auch ist Bayer auf Jahressicht super gelaufen: Im Januar kostete eine Aktie gerade 20 €. Der Wert ist nicht so prominent, dass Window-Dressing im größeren Umfang zu erwarten ist. Strategische Neupositionierungen sind allerdings im Januar zu erwarten. Die Aktie bietet sich für eine defensive mittelfristige Spekulation auf eine Runderneuerung Deutschlands förmlich an. Bayer hat offenbar hinter sich, was vielen anderen Branchen noch bevorsteht.

Wir nehmen das Kaufsignal auch taktisch ernst. Neben dem Stillhalterkomplex wurde im Sinne der Turnaround-Spekulation eine zweite Call-Option erworben: Der Call (Strike: 40, Fälligkeit: Juni 2026) gleicht aktuell die defensive Positionierung der Stillhalteroptionen aus. Sollte die Aktie kurzfristig teurer werden, kompensiert sie zunächst die Stillhalterrisiken. Im weiteren Verlauf wird dann eine kurzfristige Put-Option verkauft, die im Geld ist. Hier würde eine Einbuchung der Aktien zum Jahresbeginn billigend in Kauf genommen.

Spätestens im Mai 2026 dürfte zudem ein deutliches institutionelles Kaufinteresse an der Bayer entstehen. Dann endet die dreijährige Periode abgesenkter Dividendenausschüttungen.

Die Bayer-Aktie ist aktuell ein sehr spannender Wert. Die Volatilität ist über den gesamten Herbst kontinuierlich angestiegen. Es verdichten sich die Hinweise, dass die hohen Optionspreise auf den Aufbau spekulativer Long-Call-Positionen hindeuten anstatt auf einen erhöhten Absicherungsbedarf.

2026 könnte zu einem Schicksalsjahr für die Bayer AG werden. Die Glyphosatrisiken sollten der Vergangenheit angehören, anstatt Prozesskosten zu begleichen, können Aktionäre mit einer Dividende bedacht werden. Hieronymus kann sich zudem gut vorstellen, dass Bayer ein heimlicher Profiteur des Einsatzes von AI für die Material- und Medikamentenforschung wird, der Pate steht für ein runderneuertes Bild Deutschlands in der Welt.

Das Bayer Turnaround Handelssystem hat für diesen Fall eine zusätzliche Call-Position aufgebaut, also das Recht erworben, die Aktie im Sommer 2026 zu 40 € zu kaufen, egal was sie am Markt gerade kostet – oder auch nicht, falls das Kaffeesatzlesen nicht zielführend war und die Aktie weiter vor sich hindümpelt.