Nikolaus
Leuchtende Innenstädte und Weihnachtsmärkte erzeugen den Schein einer glücklichen Zeit.
Vollbeschäftigung und gut gefüllte Weihnachtslohntüten tun ihr Übriges. Aber Achtung:
An den Kapitalmärkten scharren Bond Vigilantes mit den Füßen. Mit hohen Zinsen wollen
sie Politiker zu mehr Kostendisziplin zwingen. »Wir machen Ausleihungen so lange teurer,
bis ihr die Steuergelder mit Verstand ausgebt«, ist die Botschaft. Das tektonische Beben
könnte von den USA ausgehen.
Für 2026 gilt: Je größer der Abstand zu den USA, desto besser. Je klarer die abgrenzende Botschaft
der Staaten, desto besser für das Anlagekapital. Deshalb sind Singapore und Hongkong
die derzeit sichersten Locations für die Geldanlage.
Im Wochenrückblick ist wirklich kaum auszuhalten, wie viel schlechte Politik zwei Parteien kombinieren können. Nachträglich bekommen die Verfechter der Schuldenbremse leider Recht: Gibt man korrupten und/oder inkompetenten Politikern etwas Geld in die Hand, kann man es auch gleich zum Schornstein hinausfeuern. Die Fehlgriffe summieren sich: Industriestrompreis, Subventionen für unwirtschaftliche Gaskraftwerke und »hocheffiziente Benzinkutschen«, Flugsteuersenkung, Subventionen für die Gastronomie und Wahlgeschenke für gealterte Mütter. Die Bundesregierung übt sich in rückwärtsgerichter Kurzfristpolitik und bedient Partikularinteressen.
Startup-Förderung: Fehlanzeige. Anreize für nachhaltige Innovationen: Fehlanzeige. Digitalisierung? Hat Großdeutschland nicht nötig. Nach einem Jahr ist die angekündigte Neuaufstellung der Industriepolitik nicht einmal in Ansätzen erkennbar. Die CDU ist immer noch dabei, die zarten grünen industriepolitischen Pflänzchen zu zertreten. Der Kanzler: Fest an der Seite der Faschisten in Washington und Jerusalem. Zu unerfahren, zu ängstlich und inzwischen auch zu machtlos, eine klare Linie zu verfolgen. Deutschland ist wieder auf die Größe eines Kleinstaats mit angeschlossenem Altenheim zusammengeschrumpft. Kraft- und machtlos, sich seiner Stellung in der Welt als viertgrößte Volkswirtschaft unbewusst, lässt es sich offenbar mit Freude von der elftgrößten Volkswirtschaft (Russland) am Nasenring durch die Manege führen.
Geht’s noch schlimmer? Außer ostdeutschen Verhältnissen auch im Westen der Republik, fällt
In Bremen gehen Kinder zu Nikolaus in der Nachbarschaft umher und erbitten Nikolaus-Geschenke. Eine klare China-Strategie Deutschlands wäre der Wunsch von
Die Lust auf ein wenig Chaos
Ist diese die aktuell treffendste Visualisierung der Erosion der Macht der Trump-Administration?
Es zeigt den Preisverlauf des TLT (iShares US-Bond 20Y+ ETF), ein liquider Anleihe-ETF mit einem Korb von US-Langläufern.
Der Preisverlauf selbst ist unspektakulär. Der ETF schüttet monatlich Dividenden aus, der Preis der Anteile ist 2024 und 2025
im Grunde konstant. Auffallend ist der deutliche Anstieg der leerverkauften ETF-Anteile kurz nach der US-Wahl vor einem Jahr.
Seitdem steigt die Short-Quote kontinuierlich an, obwohl das »Shorten« eine teure Angelegenheit ist: Der Leerverkäufer muss die
Dividenden zahlen und zusätzlich Leihgebühren für die geshorteten Aktien.
Die Graphik reflektiert das stetig wachsende Misstrauen der Kapitalmärkte gegenüber der Trump-Administration. Zuerst das Zoll-Chaos, dann die Märchenerzählungen im Umfeld des »Big Beautiful Bill« und aktuell die Forderung, die Geldpolitik zurück in »Volkes Hände« zu legen.
In der kommenden Woche wird die FED die Leitzinsen erneut senken. Die Zinsen für kurzfristige Ausleihungen sinken dann. Bei den aufgerufenen Short-Quoten ist keine Preisveränderung für Langläufer zu erwarten. Im Gegenteil. In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass der Trump-Vertraute Kevin Hassett aktueller Favorit für das Amt des FED-Vorsitzenden ist. Das hat die Herren »Bond Vigilantes« nochmals elektrisiert: türkische Verhältnisse in den USA – lautet z. B. die Schlagzeile der entsprechenden Motivations-Posts auf den bekannten Plattformen. Zur Erinnerung: Trotz steigender Inflation senkte die türkische Notenbank den Leitzins immer weiter. Historische Renditen für türkische Staatsanleihen waren die Konsequenz – und eine explodierende Geldentwertung.
»Neuer Markt« Feeling in China
Die Moore Threads Aktie steigt nach der Emission am »Star Market« in Shanghai um 425 %. Die Aktie schloss am Freitag mit einem Handelspreis von 600,5 Rmb (85 $). Die Emission erfolgte am Vormittag zu 114,28 Rmb. Das Unternehmen aus Peking nahm 8 Mrd. Rmb ein, es war der zweitgrößte Börsengang des Jahres in China. Am Freitagabend war die Marktkapitalisierung von Moore Threads auf 42 Mrd. Rmb gestiegen.
Dabei ist das im Jahr 2020 von einer ehemaligen Nvidia-Führungskraft gegründete Unternehmen auch für chinesische Verhältnisse bestenfalls zweitklassig und stellt keine Konkurrenz zu Huawei oder Cambricon dar. Der Umsatz von Moore Threads wird auf 410 Mio. Rmb (58 Mio. $) geschätzt. Huawei setzt pro Jahr Chips im Wert von über 700 Mrd. Rmb ab, grob 2.000 % mehr. Das soll sich auch 2026 nicht groß ändern. Huawei prognostiziert einen Umsatz im Chip-Geschäft von 12 Mrd. $, Moore Threads 93 Mio. $. Nvidia wird 2026 in China keine Rolle mehr spielen. Die Umsätze werden auf Wunsch der US-Regierung um 40 % auf 2 Mrd. $ einbrechen, vielleicht sogar noch mehr.
Moore Threads ist in mehrfacher Hinsicht ein Nvidia-Klon. Die Top-Manager kommen von dort, die ersten Produkte sind: Grafikkarten für Gaming-Computer. Wie Nvidia entwickelt es die GPUs nun für AI-Aufgaben weiter. Hieraus erwächst die Spekulation am Kapitalmarkt: Die Entwicklungsgeschwindigkeit ist in China deutlich schneller, als in den USA. Die Spekulanten wetten auf ein chinesisches AMD, das den US-Platzhirsch mittelfristig auf die Plätze verweist, wie es AMD erfolgreich mit Intel vorgemacht hat. Nvidia kann sich schon mal auf eine schnell wachsende Konkurrenz mindestens in Asien einstellen.
Die USA machen es China gerade leicht, die noch verbliebenen Marktsegmente mit US-Technologieführerschaft zu erobern. Überparteilich gibt es einen Konsens, die Exportrestriktionen für Nvidia-Chips zu verschärfen, um China »auszuhungern«. Der erfolgreiche Börsengang von Moore Threads zeigt, wie China darauf reagiert. Das Unternehmen ist nun exzellent kapitalisiert und kann dank seiner hohen Marktkapitalisierung seine Expansion zinsgünstig finanzieren.
Moore Threads ist das erste Halbleiter-Startup, das an die Börse gegangen ist. Meta X ist das nächste (Star Market), Biren, Kunlunxin und Enflamme werden im ersten Halbjahr 2026 ihr IPO in Hongkong vollziehen. Das gemeinsame Ziel: Extremes Wachstum, Exzellenz und Marktdominanz.
China fördert seine Startup-Szene großzügig. Das Ziel ist, möglichst rasch ein auskömmliches Geschäftsmodell in die Realität zu gießen und sich dem Kapitalmarkt zu öffnen. Der Gang an die Börse gehört zur Strategie des Staates, um die Ziele des 5-Jahresplans zu erreichen. Danach müssen sich die jungen Unternehmen im knallharten Wettbewerb beweisen – nur die Besten dürfen weitermachen. Patriotische Spekulanten sind integraler Teil des Ganzen. Daraus kann man eine mittelfristig positive Renditeerwartung für Investments ableiten.
Hang Seng ETF als Top-Pick für 2026?
Vieles deutet darauf hin, dass privates Kapital ein integraler Bestandteil der Wachstumsstrategie der KP-Chinas ist. Anstatt auf einen Sozialstaat westlicher Prägung zu setzen, soll das Staatsvolk selbst investieren. In der Vergangenheit lenkte man so sehr viel Kapital in den Immobilienmarkt. Nun folgt Phase II: Eine Diversifizierung in nationale Technologie-Champions als Altersvorsorge. Dafür dürfen die Preisschwankungen an den Aktienmärkten aber nicht zu groß sein. Eine Blasenbildung wie zuletzt im Immobiliensegment muss unbedingt vermieden werden.
Stimmt diese Annahme, dann sind für die chinesischen Kapitalmärkte trotz der sich rasch verschlechternden Demografie mittelfristig kontinuierliche Mittelzuflüsse zu erwarten. Das ist ein Segen für das Erwartungsmanagement der Finanzindustrie. Der Rest ist dann »self-fulfilling prophecy«: Die Erwartung höherer Bewertung für Assets lockt Käufer in den Markt, die Marktpreise steigen und weitere Käufer lassen sich von den Prognosen überzeugen.
Der Aktienmarkt in Hongkong trägt kaum Währungsrisiken. Hier dominieren geopolitische Risikofaktoren. Dafür ist der Hang Seng ähnlich preiswert, wie europäische Aktienmärkte: KGV: 13,6, PBV: 1,1. Zum Vergleich: Singapur und Australien sind deutlich höher bewertet (KGV: 16 und 21, KBV: 1,6 und 2,4 ). Der niedrige Buchwert ist ein Hinweis auf den defensiven Charakter der Indexmitglieder: Man zahlt für die Aktien nicht mehr, als Unternehmenswerte vorhanden sind. In Australien zahlt man grundsätzlich das Zweieinhalbfache. Neuemissionen landen nicht sofort im Index und werden deshalb auch nicht ins ETF-Depot gekauft. Sie erhöhen aber die Attraktivität des Finanzplatzes – was mittelbar zu Mittelzuflüssen und Preisanhebungen führt.
Ein Blick auf den Chart des HSI zeigt seit Mai 2025 einen intakten Trend. Die Preisanhebungen der letzten Monate werden seit September auskorrigiert. Charttechnisch steht einem Ausbruch aus der Seitwärtsphase nichts entgegen. Vermutlich triggert ein schwächerer US-Dollar den nächsten Trendimpuls. Eine weitere Abwertungswelle ist im Umfeld des Wechsels an der Spitze der FED zu erwarten, also spätestens im März/April 2026.
Interessant ist die absolute und relative Outperformance des chinesischen Aktienmarkts gegenüber Indien. Beide Staaten wurden mit massiven US-Strafzöllen überzogen. China ist viel abhängiger vom Handel mit den USA als Indien. Trotzdem konnten die Indizes in China deutlich zulegen, während die indischen Aktienpreise konstant sind und gleichzeitig die Rupie deutlich abwertete. Das Wirtschaftsmodell Chinas ist offensichtlich sehr resilient. Auch dies spricht für ein strategisches Investment in den breiten HSI als Play für 2026.