Eine Ode für den Stillhalter
Die Bühne für das »Grande Finale« ist bereitet (Cover: Auftritt Lady Gaga in Coachella). Nach der FED-Sitzung ist vor dem EZB-Zinsentscheid und dem finalen Hexensabbat am Freitag. Zwei Stillhalter-Handelssysteme stehen im Fokus: Das Bitcoin-Handelssystem misst sich an einem obskuren Nachthandelssystem, das nun in einem ETF verbrieft wird. Das Bayer-Turnaround-Handelssystem hat bewegende Wochen hinter sich. Zeit für eine Bilanz.
O Stillhalter, du stiller Wächter im Taumel der Märkte,
Dein Name klingt bescheiden, fast demütig im Klang,
Doch in dir wohnt das Wagnis, die kühle Gelassenheit,
Die dem Sturm die Stirn bietet, ohne zu zittern.
Du schreibst die Option, wie ein Schicksalsschreiber,
Und empfängst die Prämie, den süßen Lohn der Geduld.
Dein Versprechen ist stählern, ein Fels in der Brandung:
„Zu kaufen, zu verkaufen zum vereinbarten Preis.“
Während andere jagen, zucken, in Euphorie vergehen,
Bleibst du fest wie ein Anker im heulenden Handelsmeer.
Du nährst dich von der Ruhe, vom stillen Verfall der Zeit,
Dein größter Verbündeter ist der gleichgültige Tick der Uhr.
Doch ach, Stillhalter, wir wissen um deine Dämonen!
Der Crash, der plötzliche Sprung jenseits aller Strike-Linien.
Dann wird dein Stillstand zur Fessel, deine Ruhe zur Qual,
Und die eingestrichene Prämie ein gefährlicher Tand.
Dennoch! Wir preisen dich, du unbewegter Kalkulierer,
Der aus Volatilität Ernte hält und aus Angst den Gewinn.
(Deep Seek)
Overnight-Risiken
Daytrader schließen abends sorgfältig alle Positionen. Sie meiden das Risiko von starken Preisveränderungen nach Börsenschluss. Es geht aber auch anders. Es gibt diverse Daytading-Handelsansätze, die das Overnight-Risiko zu ihrem Geschäftsmodell gemacht haben. Die Hoffnung hinter diesen Handelsansätzen: Solange die Positionsgröße auskömmlich ist und keine Zwangsliquidierung zu erwarten ist, belohnt die Finanzmathematik die Trader überproportional: Die Overnight-Risiken werden nämlich systematisch überschätzt.
Was für »normale« Märkte gilt, trifft insbesondere auf hypervolatile Krypto-Assets zu. Krypto-Assets handeln 24/7, ETFs müssen jeweils zum Handelsstart die Änderungen des Nachthandels in ihren Depots abbilden. Hierbei scheinen sich Preisanomalien auszubilden. Dies zeigt die blaue Linie in Abb. 1. Wenn man stur eine Position zum Closing aufbaut und diese in der Morgenauktion schließt, erzielt man eine beachtliche Überrendite.
Das Gegenteil passiert Intraday. Wer stur morgens eine Position zur Eröffnung aufbaut und abends in der Schlussauktion schließt, verliert kontinuierlich Geld.
Weil das Eingehen des Overnight-Risikos offenbar eine Gelddruckmaschine ist, geht 2026 ein ETF an den Start, der genau diese Strategie automatisiert handelt: Nicholas Bitcoin and Treasuries After Dark ETF (NGHT).
Es ist nicht das erste Mal, dass die Finanzindustrie systematische Nachteile von ETFs für Derivate nutzt. Rohstoff-ETFs müssen zu bestimmten Zeiten Futures-Positionen rollen. Das wird seit Jahrzehnten von Hedgefonds als Renditepferdchen ausgenutzt und führt zu einer systematischen Underperformance von Future-basierten Produkten, prominentestes Beispiel ist der US-Oil-ETF (USO), dessen Preisentwicklung immer hinter dem Ölpreis selbst hinterher hinkt.
Spannend wird nun, ob sich die Preisentwicklung des IBIT vom Bitcoin-Preis selbst abkoppelt.
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