Zwischen den Jahren
Mensch und Tier teilen in den USA ein gleiches Schicksal: Sie (fr)essen zu viel.
Die Abnehmpille für Menschen hat einige Pharmahersteller reich gemacht. Das
wollen andere mit Tiermedizin wiederholen.
Interessant sind neue Entwicklungen in China. Dort setzt man – offenbar erfolgreich –
alles daran, das Monopol von ASML zu brechen. Zeitgleich erleben optische Chips
eine stürmische Entwicklung. Verlagert sich der Technologiewettlauf von
Elektronen zu Photonen?
Zeit für Obskures
Abnehmpillen für Hunde und Katzen
Übergewicht hat in den USA eine enorme gesellschaftliche Relevanz. Abnehmpillen trafen deshalb den Zeitgeist. Pharmaunternehmen (Eli Lilly und Novo Nordisk) verdienten und verdienen Milliarden an der Fresssucht eines Großteils der US-Amerikaner.
Aber auch 60 Prozent aller Hunde und Katzen in den USA sind fettsüchtig. Genauso wie bei Menschen, ist deren Behandlung Big Business: Seit 2022 ist die Bekämpfung von Diabetes (als Ergebnis von Fettleibigkeit) die größte Ertragsquelle für Tierärzte in den USA. Hinzu kommt: US-Amerikaner geben immer mehr Geld für ihre Haustiere aus.
Der Markt ist da – Abnehmpillen für Menschen waren ökonomisch höchst erfolgreich. Was liegt also näher, als Abnehmpillen für Menschen für die Abgabe an Katzen und Hunde zu modifizieren?
Genau das machen einige StartUps. Ihr Ziel: Abnehmen ist für Hunde und Katzen noch einfacher, als für Menschen. Für die besten Ergebnisse müssen humane Abnehmhilfen wöchentlich gespritzt werden. Das ist US-Familien nicht zumutbar. Pfizer brachte 2007 Slentrol auf den Markt, das gespritzt werden musste. Es wurde nicht angenommen.
Seitdem hat sich die Diabetes-Rate bei Haustieren allerdings stürmisch entwickelt. Die Behandlung über Insulin-Spritzen ist ebenfalls unhandlich und mit 150 $ pro 14 Tage nicht billig. Wer es nicht übers Herz bringen kann, sein Tier über Nahrungsreduktion und Bewegung zu verschlanken, kann bald Implantate kaufen, die ihre Wirkstoffe über ein halbes Jahr ausschütten. Dann sollte das Tier wieder schlank sein.
Diese kleine Weihnachtsgeschichte wirft ein Schlaglicht auf die Dekadenz in einigen Teilen der USA, die sich von Menschen auf Tiere überträgt. Anstatt einfach ein gesundes Leben zu führen, sucht der gemeine US-Verbraucher sein Heil in einem neuen Konsum-Exzess. Wo kämen wir denn hin, wenn sich Mensch und Tier artgerecht ernähren und verhalten würden?
China News
Huawei macht ASML Konkurrenz
Der neue 5-Jahres-Plan der KPC geht ein immer drängenderes Problem an: Alle State-of-the-Art-Chips benötigen ASML-Maschinen für die Herstellung. Das Unternehmen hat ein Monopol auf die Herstellung winzigster Halbleiterstrukturen. ASML fertigt in den Niederlanden und fügt sich US-Exportrestriktionen. Deshalb kann China keine Extreme Ultraviolet Lithography (EUV)-Maschinen aus dem Hause ASML kaufen.
Reuters bringt es wie folgt auf den Punkt:
EUV machines sit at the heart of a technological Cold War. They use beams of extreme ultraviolet light to etch circuits thousands of times thinner than a human hair onto silicon wafers, currently a capability monopolized by the West. The smaller the circuits, the more powerful the chips.
Seit 2024 arbeitet ein Team bei Huawei an einem chinesischen EUV-Prototypen. ASML-Geräte füllen einen Schiffscontainer, der chinesische Prototyp eine ganze Maschinenhalle. Auf den Versuch Chinas angesprochen, die ASML-Technologie zu kopieren, gab sich Christophe Fouquet, CEO von ASML, im April 2025 entspannt: “Das dauert noch etliche Jahre”. Reuters berichtete am 18. Dezember, dass der Prototyp nun die ersten Chips fertigt – viel schneller, als erwartet. Das im 5-Jahresplan verankerte Ziel der Unabhängigkeit Chinas von westlichen Importen im als strategisch klassifizierten Gesamtprozess der Herstellung von Computerchips ist scheinbar absolut im Zeitplan. Man will vor 2030 AI-Chips »Made in China« herstellen.
LightGen AI-Chip
Ebenfalls kurz vor Weihnachten verkündete die South China Morning Post einen Durchbruch chinesischer Forscher in der Entwicklung optischer LLM-Chips. Durch die Nutzung von Licht anstelle von Elektronen zur Informationsverarbeitung zeigt das neue System, wie Workloads im Bereich generative KI viel schneller ausgeführt und dabei radikal weniger Energie verbrauchen könnten.
Der LightGen-Chip wurde von Teams der Shanghai Jiao Tong University und der Tsinghua University entwickelt. Er integriert mehr als 2 Millionen photonische Neuronen auf einem kompakten Chip mit 136,5 Quadratmillimetern Fläche. Das System führt KI-Berechnungen mithilfe von Laserpulsen durch, die mit der Lichtgeschwindigkeit anstelle elektrischer Ströme operieren.
- LightGen erreichte eine Rechenleistung von 3,57 × 10⁴ Tera-Operationen pro Sekunde.
- Die Energieeffizienz lag bei 6,64 × 10² Tera-Operationen pro Sekunde pro Watt.
- Die Gesamtleistung übertraf den Nvidia A100 KI-Beschleuniger bei generativen Aufgaben um mehr als das Hundertfache sowohl in Geschwindigkeit als auch in Energieeffizienz.
Die Forscher entwarfen einen optischen latenten Raum, der Daten effizient komprimiert und rekonstruiert, was komplexe generative Operationen ermöglicht. Ein neuartiger unüberwachter Trainingsalgorithmus eliminierte die Notwendigkeit großer gelabelter Datensätze. Der Ansatz erlaubt es dem Chip, statistische Muster in Daten zu erkennen – in einer Weise, die der menschlichen Lernweise näher kommt.
Das System ist kein Alleskönner. Es folgt der chinesischen Logik, dass man mit maßgeschneiderten anwendungsorientierten AI-Lösungen langfristig punkten kann.
Demonstrierte Fähigkeiten
- Hochauflösende semantische Bildgenerierung bei 512×512 Pixeln
- Bildentstörung und Stiltransfer
- Erzeugung und Manipulation 3D-Bilder
- Video- und komplexe Szenensynthese mit logischer Konsistenz
Die Veröffentlichung könnte eine ähnliche Entwicklung einleiten, wie im Automobilsektor. Auch dort kopierte man zunächst die westliche Technologie, setzte aber schon sehr früh auf E-Mobilität und baute systematisch eigene Kompetenzen aus.
Bei Computer-Chips will man möglicherweise »nur« genauso gut sein, wie die westliche Konkurrenz. Optische Chips bieten die gleichen Perspektiven, die der E-Antrieb für die Automobilhersteller hat.
Allein die Tatsache, dass es nur einen einzigen Hersteller von EUV-Maschinen gibt, zeigt, wie fortgeschritten bzw. ausgereizt die elektronische Variante der Datenverarbeitung ist. Umgekehrt zeigt der rasche Entwicklungsfortschritt bei optischen Systemen, dass es ein erhebliches Entwicklungspotenzial gibt. Man könnte ggf. so weit gehen, dass das eigentliche Potenzial von LLMs erst mit optischen Chips erschlossen wird.
Vollmundig schwärmt die South China Morning Post bereits von einem Wendepunkt beim Design von AI-Systemen.
Optische Signale verringern Energieverbrauch und Latenz, ermöglichen gleichzeitig extreme Parallelität.
USA: Flugzeugtriebwerke liefern Strom für Rechenzentren
Wie wichtig der Energieverbrauch für AI-Anwendungen ist, zeigt eine aktuelle Fehlentwicklung. Die Trump-Administration brüstet sich mit einem massiven Ausbau der Datacenter-Infrastruktur. Tatsächlich dauert es aber bis zu sieben Jahre, bis ein fertiggestelltes Datacenter in Texas ans Stromnetz angeschlossen werden kann. Die Wartezeit wird mit allerlei fossil betriebenen Generatoren überbrückt. Weil Boeing gerade weniger Triebwerke in seine Flugzeuge einbauen kann, stattet z. B. GE Vernova nun Starlink-Datacenter mit kaum modifizierten Flugzeugtriebwerken aus, die jetzt Strom produzieren.
Welch ein Wahnsinn.