Wochenberichte
Nikolaus
Leuchtende Innenstädte und Weihnachtsmärkte erzeugen den Schein einer glücklichen Zeit.
Vollbeschäftigung und gut gefüllte Weihnachtslohntüten tun ihr Übriges. Aber Achtung:
An den Kapitalmärkten scharren Bond Vigilantes mit den Füßen. Mit hohen Zinsen wollen
sie Politiker zu mehr Kostendisziplin zwingen. »Wir machen Ausleihungen so lange teurer,
bis ihr die Steuergelder mit Verstand ausgebt«, ist die Botschaft. Das tektonische Beben
könnte von den USA ausgehen.
Für 2026 gilt: Je größer der Abstand zu den USA, desto besser. Je klarer die abgrenzende Botschaft
der Staaten, desto besser für das Anlagekapital. Deshalb sind Singapore und Hongkong
die derzeit sichersten Locations für die Geldanlage.
Aus dem Keller ans Licht
Zugegeben – die Nachrichten mit Beschlüssen der Bundesregierung zu Wirtschaftsthemen
sind keine leichte Kost. So viel Chaos ist selten. Um einen Zielpfad zu finden, braucht
es vermutlich ein hochentwickeltes AI-System.
Hier gilt aber auch, was für die Preisfindung für Krypto-Token gilt: Wenn es keinen
inneren Wert gibt, sind alle Zustände möglich. Überraschend viele »Analysten« sind
trotz der unterirdischen Performance der hiesigen Regierung für 2026 ausgesprochen optimistisch.
Bestes Beispiel ist Bayer, das sich für ein entscheidendes Jahr 2026 rüstet.
Lame Duck und Krypto-Crash
Ein Kommentator in der FT bringt es auf den Punkt: Bitcoin ist seit dem Allzeithoch um 40 Prozent preiswerter geworden.
Das ist immer noch 60 % mehr, als sein fairer Wert. Für andere ist der dynamische Trend Kennzeichen der Machterosion
im MAGA-Lager. Höchstwahrscheinlich ist es nichts weiter als ein sehr gesunder Abbau von Spekulation.
Das wünscht man sich bei gehypten AI-Aktien auch – passiert aber nicht. Nvidia zeigte gerade eindrucksvoll, dass
man vollständig auf dem Zielpfad ist. Nvidia, Google und IBM bringen sich jetzt in Stellung für die nächste
Iteration im immer noch jungen Kontradjew-Zyklus: Weltmodelle sollen LLMs ablösen und deren fundamentale Grenzen überwinden.
Heimspiel
Die vergangene Woche hielten einige DAX-Konzerne die Finanzwelt in Atem. Bayer, Siemens, Infineon, Siemens Energy, RWE: Alle legten ihre Bilanzen vor. Zahlen lügen bekanntlich nicht. Die Preisentwicklungen der Aktien nach den Ad-hoc-Statements ist bezeichnend. Bis auf Siemens schlugen sich die AI-Roboter mindestens kurzfristig auf die Käuferseite. Siemens allerdings ist eine herbe Enttäuschung. Nicht unbedingt das Zahlenwerk, aber die Unprofessionalität der IR-Abteilung im Handling der geplanten Abspaltung der Healthineers. Da wird vor aller Augen Geldvernichtung betrieben. Das ist der ehrwürdigen Siemens unwürdig und erinnert an die Zeit, als der Konzern als Pensionskasse mit verlängerter Werkbank galt. Das passt allerdings hervorragend in die aktuelle Merz-Republik und ist ein Spiegel des Landes der Hausmeister und Gartenzwerge, dass seinen Rentnern das Geld hinterherträgt aber unfähig ist, ein Eisenbahnnetz zu betreiben (auf dem Siemens-Züge rollen könnten).